Huhu! Darf ich mich vorstellen? Mit Verlaub, ich bin „Berlino", ein nagelneues Album, rieche nach Sägespäne und auch noch ein bisschen nach Presswerk. Soeben hat man mich in einen Postkasten geworfen und ich weiß, eine lange Reise liegt sowohl hinter als auch vor mir. Obwohl, eigentlich ist die Reise, die noch vor mir liegt, der kleinste aller Trips, den ich bisher erlebt habe. Ich bin älter als ich vielleicht aussehe, hab' mich gut gehalten. Nun fehlt nur noch der allerletzte Schritt, um mich restlos glücklich zu machen. Ich bin kurz davor, die Suche nach einem Zuhause, nach Gehör und Aufmerksamkeit, nach Akzeptanz und dem erhofften unvoreingenommenen Genuss hinter mir zu lassen. Und wer den frustrierten Mund zu voll nimmt, dem schmeckt's meistens nicht. Ebenso lechze ich nach Freiheit und Liebe. Endlich! Denn ich habe so viel zu geben, dass ich fast platze. Auch die Box, die mich umschließt, hält dem Druck kaum noch stand. Ich möchte raus, möchte Flügel bekommen und so verstanden werden, wie ich gemeint bin. In gute Hände geraten, die mich mit Sorgfalt warm umschließen, wenn ich in wenigen Stunden nackt aus der Box hüpfe. Man legt mich dann sicher in so ein komisches Gerät ein, das kitzelt dann immer so schön, mir wird aber immer ganz schwindelig dabei und ich gebe dann immer ganz viele Töne von mir, die manchmal laut und dann auch wieder leise sind, sich bunt anhören, oft nach Sommer schmecken und manchmal auch nach Regen riechen. Klänge, die aus mir einfach so heraussprudeln. Ohne Zwischenfilter, ohne Angst und Sorge. Und dann bin ich so richtig glücklich und zufrieden. Hauptsache man geht behutsam mit mir um. Manchmal, wenn man über mein äußeres Erscheinungsbild urteilt, über Nebensächlichkeiten diskutiert, dann möchte ich mich verstecken, am liebsten einen Sack anziehen, ausschließlich hörbar sein. Denn das, was ich zu geben habe, hat nur mit dem zu tun, wonach ich klinge. Der Rest ist unwichtig. Zumindest sollte das so sein für die, die mich hören wollen. Und ich denke, das ist genug. Nein, ich weiß, dass das genug ist. Alles andere wäre ungerecht, so fühle ich eben. Außerdem würde ich ja sonst nicht fast platzen und überquellen.
B A R T H O L O M E S
